Konzept


Theodor W. Adornos letztes und unvollendetes Werk, die
Ästhetische Theorie, liegt als ein nahezu vergessener Text-Brocken im Niemandsland des 20. Jahrhunderts. Jedoch kann es für Kunst, Philosophie und Politik hier und heute als ein (weiterhin) herausforderndes Werk verstanden werden. Dieser Herausforderung soll mit einer Veranstaltungsreihe entsprochen werden.

In unserer gegenwärtigen Zeit des allgemeinen Kompromisses fasziniert Adornos Haltung: sich nicht damit zufrieden zu geben, sich möglichst gut im Falschen eingerichtet zu haben. Kunst und das Nachdenken über sie prägt das kritische Unternehmen Adornos in seiner Gesamtheit. Janusköpfig spiegelt das Kunstwerk bei Adorno die Gesellschaft in ihrer ganzen Zerrissenheit. Kunst bleibt Statthalter und Leerstelle, stellvertretend für die emanzipierte Gesellschaft: Sie wird das Andere der Gesellschaft. Im gleichen Moment ist sie eingefasst in ökonomisch-technische Entwicklungen. Diese widersprüchliche Situation macht für Adorno den eigentümlichen Charakter der Kunst aus: Gerade in der gesellschaftlichen Befangenheit vermag sie etwas hervorzubringen, das die Gesellschaft übersteigt. Die Ästhetische Theorie muss in dieser Konstellation auch als Schlüsselwerk der Philosophie Adornos gelesen werden. Man findet sich hier auf dem zentralen Schauplatz kritischer Denk-Kunst wieder – ein Denken, das sich dem Bereich des Ästhetischen annähert.

Zeitgenössisches Nachdenken über Kunst wird beherrscht von Denkfiguren, die der Ausblendung der gesellschaftlichen Bedingtheit von Kunst zugearbeitet haben. Sie haben sich von einer spezifischen Form der Gesellschaftskritik aus unterschiedlichen Gründen verabschiedet. In Adornos Ästhetische[r] Theorie ist sie als Impetus immer präsent. Kann man mit ihr heute das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft kritisch fassen – oder muss diese Leerstelle bleiben?

Das Programm der Veranstaltungsreihe bietet über das hier Angedeutete keinen thematischen roten Faden an. Vielmehr gehen wir von einer Vielzahl von Fragen aus, von Spannungen und Problemen, die Adornos Denken uns heute eröffnet. Die Reihe versammelt Vortragende, die seine Kunst-Philosophie aus verschiedenen Perspektiven und mit unterschiedlichen Interessen begegnen. Dabei bleibt Ästhetik als Disziplin eben sowenig unangetastet wie Adorno als philosophischer Gewährsmann. Neben den Vorträgen ist das Format der Werkstätten eine Besonderheit der Reihe: Hier geht es um das gemeinsame Weiterarbeiten und Vertiefen.

Wir wollen von heutiger künstlerischer, politischer und philosophischer Praxis ausgehend gemeinsam diskutieren, welche Angebote uns dieses Denken machen kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s